Neuansiedlung Gewerbe, Flughafen, Elektromobilität, Radverkehr, Kunsthandwerk, demografischer Wandel, Bezahlbare Wohnungen, Großprojekte im Hochwassereinzugsgebiet, GLOBUS-Ansiedlung, ÖPNV auf Gemeinden ausweiten, ökologische Verträglichkeit, Grünfläch

Dresden ist eine kulturreiche, lebenswerte und leistungsfähige Stadt. Das Dresdner Handwerk als Motor für nachhaltiges Wachstum, Stabilitätsanker für gute Beschäftigung und Garant für hohe Ausbildungsleistung hat an der prosperierenden Entwicklung der Stadt einen maßgeblichen Anteil.
Damit Dresden auch in Zukunft eine Stadt mit hoher Kulturgüte, Lebensqualität und Leistungskraft bleibst, muss das neue INSEK die richtigen Weichen stellen.
Die veränderte Fördermittellandschaft auf europäischer und nationaler Ebene, das anhaltende Bevölkerungswachstum, die demografische Entwicklung und der Klimawandel stellen die sächsische Landeshauptstadt vor erhebliche Herausforderungen, auf die das Strategiepapier für Dresdens zukünftige Entwicklung bis 2025 nachhaltige Antworten geben muss.
Es kommt aus Sicht der Handwerkskammer Dresden darauf an, im INSEK die nötige Balance zwischen ökonomischer Leistungsfähigkeit, sozialer Verantwortung und ökologischer Verträglichkeit herzustellen.
Aus Handwerkssicht lassen sich in allen Bereichen des INSEKs „Zukunft Dresden 2025+“ bereits positive Ansätze, aber auch Spielräume für Verbesserungen und konzeptionelle Weiterentwicklungen finden.
Die nachfolgenden Handlungsempfehlungen des Handwerks sollen dazu beitragen, das INSEK in seiner Gesamtheit weiter zu verbessern und die Belange der Dresdner Handwerksunternehmen noch stärker in den Fokus zu rücken.
Ein Manko im Hinblick auf ökonomische Leistungsfähigkeit der Stadt ist, dass die Zahl der Neuansiedlungen von Unternehmen in Dresden in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen ist. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir, dass die Stadtverwaltung vorhandene Brachflächen in Gewerbeflächen umwandeln und die Neuansiedlung von Unternehmen aber auch den fortwährenden Bestand der ansässigen Firmen fördern will.
Die Konzepte zur Neuschaffung von Gewerbeflächen in den Stadtteilen Friedrichstadt, Löbtau, Plauen und Klotzsche (Schwerpunkträume 2 und 14) sowie das geplante Gewerbeband entlang der Niedersedlitzer Straße im Dresdner Südosten (Schwerpunktraum 13) werden von der Handwerkskammer Dresden ausdrücklich befürwortet. Damit eröffnen sich, insbesondere für die kleinen und mittleren Betriebe der Stadt, finanzierbare Expansionsmöglichkeiten. Gleichzeitig wird die Zahl der innerstädtischen Brachflächen minimiert und das Stadtbild verbessert.
Dresden bleibt eine Stadt mit Leistungskraft, wenn es gelingt, qualifizierte Nachwuchs- und Fachkräfte dauerhaft an die Stadt zu binden. Die 5.338 Handwerksunternehmen in Dresden leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Daher muss das Stadtplanungsamt im INSEK die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Dazu gehört eine bedarfsgerechte Bildungsinfrastruktur von der Kita über die Schule bis hin zur Berufs- und Hochschule. Das Investitionsprogramm für den Neubau und die Modernisierung von Schulen sowie die Schaffung von 9.000 zusätzlichen Kitaplätzen bis 2020 sind dabei erste Schritte in die richtige Richtung.
Um die ökonomische Leistungsfähigkeit der Stadt Dresden bis 2025 und darüber hinaus zu erhalten und weiter zu verbessern, bedarf es einer zielgerichteten Förderung und Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen in der sächsischen Elbmetropole.
Aus Handwerkssicht muss der Ausbau der Königsbrücker Straße als eine der zentralen innerstädtischen Verkehrsadern im neuen INSEK höchste Priorität genießen. Zudem sollte das städtische Baustellen- und Verkehrsmanagement stärker auf die Bedürfnisse von Handwerksunternehmen abgestimmt werden. Die kommunale Verkehrspolitik in Dresden sollte mit Blick auf Verkehrsströme, Lichtsignalsteuerung, Beschilderung und Parkflächen handwerksfreundlicher gestaltet und klarer im neuen INSEK ausgewiesen werden.
Auch beim Ausbau überregionaler Anbindungen im Schienen- und Luftverkehr sieht die Handwerkskammer Dresden erheblichen Handlungsbedarf. Daher fordern wir die Landeshauptstadt Dresden auf, sich auf Landesebene entschieden für die schnellstmögliche Elektrifizierung der Strecke Dresden - Görlitz und die umgehende Fertigstellung des Ausbaus der Strecke Dresden - Berlin einzusetzen.
Gleichzeitig ist die Dresdner Stadtverwaltung gefordert, zusammen mit der Sächsischen Staatsregierung nach Lösungswegen für eine Belebung des Dresdner Flughafens zu suchen. Vor dem Hintergrund der gut ausgebauten Flughafeninfrastruktur ist es nicht nachvollziehbar, dass sich die Zahl der jährlichen Flugbewegungen am Airport Dresden von rund 49.600 Starts und Landungen von 1995 auf 29.000 im Jahr 2013 fast halbiert hat. Für Dresden, als europäische Kulturmetropole von Weltruf, ist dieser Zustand auf Dauer nicht hinnehmbar. Zumal das Potenzial der Dresdner Tourismuswirtschaft noch lange nicht erschöpft scheint.
Des Weiteren wirbt die Handwerkskammer Dresden dafür, die Förderung der Elektromobilität in Dresden auf Basis einer Elektromobilitätsstrategie der Stadtverwaltung als festen Bestandteil im geplanten INSEK zu verankern. Damit würde Dresden einen aktiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten und eine Zukunftstechnologie befördern. Zudem könnten die städtischen Schadstoff- und Lärmemissionen weiter gesenkt werden.
Die Zahl der Radfahrer auf Dresdner Straßen ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Verkehrsraumplanung erheblich gewandelt. Um die Verkehrssicherheit in Dresden zu verbessern und die Attraktivität des Radfahrens weiter zu steigern, fordert die Handwerkskammer Dresden ein Radverkehrskonzept im Rahmen des geplanten INSEKs „Zukunft Dresden2025+“ zu erarbeiten.
Ferner setzt sich die Handwerkskammer Dresden dafür ein, die Förderung des Kunsthandwerks als Bestandteil der Kreativwirtschaft ins INSEK aufzunehmen.
Neben der ökonomischen Dimension ist auch die soziale Frage im INSEK von erheblicher Relevanz.

Nach neuesten Prognosen des Statistischen Landesamtes im Freistaat Sachsen wird die Bevölkerung in Dresden bis 2030 um die Einwohnerzahl von Meißen auf etwa 560.000 Einwohner anwachsen. Zudem erhöht sich der Anteil der Einwohner über 60 Jahre infolge des demografischen Wandels rapide. Das INSEK „Zukunft Dresden 2025+“ muss den sich daraus ergebenen Herausforderungen in adäquater Weise Rechnung tragen.
Die Handwerkskammer Dresden setzt sich dafür ein, dass Dresden eine lebenswerte Stadt der vielfältigen Wohnformen, unterschiedlichen Lebensstile und des tolerante Miteinanders bleibt.

Aus Handwerkssicht sollte das neue INSEK dafür Sorge tragen, dass Bauen und Wohnen in Dresden bezahlbar bleibt, der zunehmenden Gentrifizierung Dresdens Einhalt geboten, der soziale Wohnungsbau bedarfsgerecht gefördert wird und auch die zentrumsfernen Stadtteile eine Aufwertung erfahren.
Die Handwerkskammer Dresden ermuntert das Stadtplanungsamt, Großprojekte im Hochwassereinzugsgebiet mit wiederkehrender Gefährdungslage, wie etwa die HafenCity in der Leipziger Vorstadt oder Wohnprojekte in Dresden-Friedrichstadt, vor dem Hintergrund der im INSEK definierten Ziele einer nachhaltigen und sozialen Stadtentwicklung noch einmal kritisch zu hinterfragen.
Auch die geplante GLOBUS-Ansiedlung mit 8.800 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Leipziger Vorstadt birgt die Gefahr, dass die kleinen identitätsstiftenden Bäckereien, Fleischereien und weitere Ladenhandwerke in den Ortsteilzentren zunehmend ins Hintertreffen geraten. Schon heute verfügt die Landeshautstadt Dresden mit 901.500 Quadratmetern Verkaufsfläche - das entspricht 1,7 Quadratmeter je Einwohner - über die größte Einzelhandelsfläche je Einwohner in Deutschland. Daher fordern wir eine Stadtentwicklungspolitik, die auch die Belange der kleinen Ladenhandwerker im Blick behält.
Darüber hinaus wirbt die Handwerkskammer Dresden vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer zunehmenden Abwanderung aus den ländlichen Gebieten Ostsachsens dafür, die Belange des Dresdner Umlands im INSEK stärker zu berücksichtigen und eine ganzheitliche Entwicklungsstrategie zu verfolgen. So sollten beispielsweise die Angebote des städtischen ÖPNV auf die anliegenden Gemeinden ausgeweitet werden.
Dresden kann sich nicht ökonomisch leistungsfähig und sozial verantwortlich entwickeln, wenn nicht auch die ökologische Verträglichkeit, die für eine lebenswerte Stadt maßgeblich ist, gebührend berücksichtigt wird.
Daher fordert die Handwerkskammer Dresden, im INSEK einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit den Grünflächen der Stadt zu verankern. Es gilt, die natürlichen Lebenslagen langfristig zu wahren und sich durch kluge Anpassungsstrategien vorausschauend auf die Folge des Klimawandels einzustellen.
In diesem Zusammenhang regt die Handwerkskammer Dresden an, den Flächenverbrauch in Dresden drastisch zu reduzieren und diese Zielstellung verbindlich im INSEK festzuhalten. Der gegenwertige tägliche Flächenverbrauch in Dresden beträgt 15 Hektar. Zum Vergleich: in Sachsen liegt der durchschnittliche tägliche Flächenverbrauch bei ca. 6 Hektar - ökologisch verträglich ist ein Wert von zwei Hektar am Tag.
Die Handwerkskammer Dresden wirbt dafür, dem Hochwasserschutz im INSEK eine zentrale Bedeutung beizumessen und die erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen in Dresden weiter bedarfsgerecht voranzutreiben.

Autor: Dr. Andreas Brzezinski, Handwerkskammer Dresden

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