Gedanken nach 3 Wochen Debatte

<p>Der Oberbürgermeisterin gebührt Dank, dass sie die Dresdner Debatte ermöglicht hat. In Zukunft sollten brisante Themen frühzeitig zur Diskussion gestellt werden.</p>
<p>Ich habe mit Interesse fast alle Beiträge und die Kommentare gelesen. Ich bin erfreut darüber, dass die Mehrheit der Teilnehmer für eine historische Bebauung des Neumarktgebietes eintritt. Die Forderung nach &#8222;moderner&#8220; Architektur als Kontrast wird nur von einigen vertreten.</p>
Ich erlaube mir, einiges aus meiner Sicht zusammenfassend zu kommentieren:

<p>1. Die Fragestellung der Diskussion &#8222;Wie wird der Neumarkt ein Platz für die Dresdner?&#8220; geht von der Annahme aus, dass der Neumarkt von den Dresdnern nicht angenommen wird. Mir ist unklar, was die Grundlage dieser These ist. Ich behaupte, dass der Neumarkt ein Platz für die Dresdner ist. Er ist ein Anziehungspunkt für Touristen und für Dresdner. Über die vielen Touristen im Zentrum der Altstadt sollten wir uns freuen. Der Tourismus bringt Leben und Geld in die Stadt. Ich bin oft am Neumarkt und beobachte, dass viele Dresdner wie ich das Baugeschehen mit Interesse verfolgen.</p>

<p>2. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es Kräfte gibt, denen es ein Dorn im Auge ist, dass Dresden als Zielort des Städtetourismus erfolgreich ist. Sie möchten Dresden mit einfallsloser &#8222;moderner&#8220; Kastenarchitektur überziehen und damit erreichen, dass es genauso langweilig wird wie andere Städte mit ihrer &#8222;modernen&#8220; uniformierten Nachkriegsarchitektur.</p>

<p>3. Die von einigen geäußerte Forderung, Läden des täglichen Bedarfes am Neumarkt zu etablieren, kann ich nicht teilen. Bei den hohen Grundstückspreisen und den damit verbundenen hohen Ladenmieten können Waren des täglichen Bedarfes am Neumarkt nicht zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden. Dazu gibt es genügen Geschäfte in der Nähe (z.B. in der Altmarkgalerie und bald am Pirnaschen Platz). Es ist deshalb sinnvoll und notwendig, das Angebot auf Touristen und zahlungskräftige Dresdner auszurichten. Ich könnte mir aber gut einen Fleischer in den Nebenstraßen des Neumarktes mit regionaltypischen Produkten und Imbissangebot vorstellen.
Ein Supermarkt gehört nicht auf den Neumarkt und seine Nebenstraßen. Er würde Verkehr auf den Neumarkt ziehen, der nicht auf diesen Platz gehört.</p>

<p>4. In vielen Beiträgen werden mehr Wohnungen und besonders bezahlbarer Wohnraum (auch für Studenten) gefordert. Ich begrüße auch, dass Wohnungen am Neumarkt gebaut werden. Sie müssen aber ihren Preis haben, anders geht es nicht. Eine Ausnahme ist die Rampische Straße 29. Das entstehende Gebäude gehört der von der GHND gegründeten &#8222;Kulturstiftung Historisches Bürgerhaus&#8220;. Hier sollen Studentenwohnungen für die Musikhochschule entstehen. Das geht aber nur, weil ein großer Teil der Grundstücks- und der Baukosten durch Spenden gedeckt wurden und werden. Die Stiftung benötigt auch weiterhin Spenden. Das Beispiel könnet von anderen Spendern nachgeahmt werden.</p>

<p>5. Ich wünsche mir, dass die Gewandhausfläche zu einer Ruhezone mit Bäumen (nicht zu hoch wegen den Sichtachsen), Bänken, Wasserspielen, freigelegten Teilen der Stadtmauer und einer unterirdischen Toilettenanlage gestaltet wird. Diese Wünsche sind in vielen Beiträgen zu finden. Es sollte aber keineswegs ein Park werden, der in einigen Beiträgen gefordert wird. Große Parks zur Erholung gibt es in der Nähe (Bürgerwiese, Blüherpark, Großer Garten)</p>

<p>6. In der Vergangenheit hat es mehrere Wettbewerbe für Gebäude und Fassaden gegeben. Leider waren die Ergebnisse meist unbefriedigend. Ich bin deshalb immer skeptisch, wenn ein Wettbewerb ausgeschrieben wird. Meistens sind die Siegerentwürfe gewöhnliche, für den Neumarkt unpassende Kästen. Dazu einige Beispiele:
&#8226; Das Eckhaus Töpferstraße / An der Frauenkirche mit dem Staffelgeschoss und der daneben stehende Steinkasten stören die Harmonie am Neumarkt erheblich. Es sind die unpassendsten Gebäude, die am Neumarkt gebaut wurden. Es gibt viele Postkarten vom Neumarkt. Ist Ihnen auch aufgefallen, dass diese Gebäude auf den Ansichten gemieden werden?
&#8226; Der Wettbewerb für das Gewandhaus hat sich glücklicherweise mit dem Beschluss des Stadtrates vom 3.6.10 erledigt.
&#8226; Der mittlere Teil (Häuser 11 bis 17) des Innside Premium Hotels passt nicht in die kleinteilige Rampische Straße.
&#8226; Der Siegerentwurf der der F29- Architekten für das Quartier V/1 ist nur ein Kasten, der den Blick vom Altmarkt zur Frauenkirche stört. Ich hoffe, dass dieser Entwurf nicht realisiert wird.
Das Problem besteht in den Preisgerichten. Sie sollten so besetzt werden, dass die Wünsche der Dresdner berücksichtigt werden und das städtebaulich-gestalterische Konzept für den Neumarkt nicht unterlaufen wird. Hier stellt sich wieder die bereits von vielen angesprochene Rolle der Gestaltungskommission. Sie muss aufgelöst oder so besetzt werden, dass das städtebaulich-gestalterische Konzept für den Neumarkt durchgesetzt wird und nicht durch preisgekrönte Kastenarchitektur unterlaufen wird.</p>

<p>7. Es sollte zur Entscheidungsvorbereitung mit Computersimulationen gearbeitet werden. Herr Hummel hat das für den Neumarkt erfolgreich praktiziert und damit die Entscheidungen positiv beeinflussen können.
Eine Computersimulation für den Postplatz hätte sicherlich aufgezeigt, dass der Wilsdruffer Kubus städtebaulich deplatziert ist. Bei einem Blick von der Augustusbrücke stößt der &#8222;Wilsdruffer Kubus&#8220; direkt an den Zwinger.</p>

<p>8. Verkehrsberuhigung im historischen Zentrum:
&#8226; Der Autoverkehr auf dem Neumarkt sollte durch Kontrollen eingeschränkt werden.
&#8226; Die Sophienstraße sollte für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Die Verkehrsführung am Postplatz ist nicht akzeptabel. Von der Wilsdruffer Straße sollte man in die Ostraallee fahren können und nicht in die Sophienstraße geleitet werden.
&#8226; Die Augustusbrücke sollte für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.</p>

<p>9. Bei den Kommentaren der Moderatorinnen habe ich immer wieder den Hinweis gelesen, dass es um die Nutzung des Platzes und nicht um die Architektur geht. Beides lässt sich aber nicht trennen. Nur in einem harmonisch gestalteten Umfeld werden sich die meisten Dresdner wohlfühlen. Kontraste mit &#8222;moderner&#8220; Kastenarchitektur wirken kalt und abstoßend. Sie stören die gewünschte Harmonie des Platzes.</p>

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Eine Frage an Herrn Dr.Mikut: Was soll das heißen, daß ein Supermarkt nur Verkehr auf den Platz zieht, der dort nicht hingehört? Sind normale Menschen, die normale Dinge, zu normalen Preisen kaufen wollen auf diesem Platz nicht erwünscht?

Ich teile viele Ihrer Ansichten, Empfindungen und Vorschläge. Man merkt, dass Sie Sich umfassend mit der Thematik Neumarkt beschäftigt haben, bevor Sie Ihre Stellungnahme verfasst haben - das begrüße ich außerordentlich. Schön auch, dass Sie das Wort \"modern\" in Anführungsstriche setzen - wie schnell spricht man häufig verwendete Ausdrücke und Phrasen nach, ohne über sie nachzudenken. Die Gänsefüßchen inspirieren zur Reflexion.