Historische Rekonstruktion des Neustädter Marktes ist erforderlich

Das alte Dresden war ein Gesamtkunstwerk. Mit wiedererstehendem Neumarkt, Brühlscher Terrasse, Theaterplatz, Augustusbrücke und rekonstruierem Barockviertel Königstraße lässt sich der Glanz des alten Dresden erahnen, dessen Seele wieder erspüren. Wenn man in diesem Innenstadtbereich lustwandelt (im wahrsten Sinne des Wortes ist es eine Lust hier zu flanieren), geht einem das Herz auf. Doch mittendrin dann der Stich ins Herz: Der verschandelte, runtergewirtschaftete Neustädter Markt mit seinem Plattenbau-Charme und scheinbaren Schießscharten in den Häuserwänden (So wirkt auf mich die Fensterfront der Plattenbauten von der Augustutsbrücke aus gesehen).
Die Frage "Wie weiter mit dem Neustädter Markt bzw. der Inneren Neustadt" kann man nur im Kontext mit den oben aufgeführten rekonstruierten Innenstadtbereichen beantworten. Und die geben eindeutig die Richtung vor: Historische Stadtstrukturen und sorgfältige historische Rekonstruktion mit Leitbauten. Der Schlüssel für den Neustädter Markt liegt in dem Wiederaufbau des Neustädter Rathauses. Das muss quasi als Initialzündung wieder her. Darum herum die Wiedererichtung der historischen Straßenfluchten mit der Öffnung hin zum Viertel Königstraße. Die Öffnung der Heinrichstraße und der Rähnitzgasse sind absolut richtig, allerdings zeugen die Florana-Bauten wieder einmal von der Ahnungs- und Respektlosigkeit des Stadtplanungsamtes. Derartig misslungene Experimente sollten -wenn es denn unbedingt notwendig sit- grundsätzlich nur außerhalb des 26iger-Ringes erlaubt werden. Deshalb meine dringende Bitte an die Stadtplaner: Bezieht bei den Planungen für Innere Neustadt unbedingt die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dreden e.V. mit ein, sie hat ja bereits erste Vorschläge zum Neustädter Markt vorgelegt. Was diese Gesellschaft für den Neustädter Markt geleistet hat, ist epochal und sollte auch auf der anderen Elbseite Berücksichtigung finden. Nur so kann Dresden seinen Glanz und seine Seele wieder erhalten.

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Man sollte die barocke Neustadt wiederaufbauen weil es gut aussah. Es gibt keine Regeln von Gott dass gegenwart muss Kisten, Glas und Stahl bedeuten. Man kann bauen was man will. Das ist kreative Freiheit. Will man gotisch bauen dann kann man auch gotisch bauen. Will mann barock bauen dann kann mann auch Barock bauen.
Und es ist doch nicht sehnsucht nach Gesichte, es ist sehnsuch nach Schönheit. Schönheit ist Zeitlos.

@Gast (09.10.2011 | 19:45):

Da haben Sie ja viele gängige Antirekonstruktionspolemiken in einem Beitrag versammelt. Fehlen eigentlich nur noch Begriffe wie Disneyland oder Ewiggestrige.

\"es ist ein künstliches bis lebloses, welches nichts mit den realen Lebenswelten der Menschen des 21. Jahrhunderts zu tun hat\"

Wie bitte? Gerade die Rückbesinnung auf Regionaltität statt Globalisierung IST Teil der Lebenswelt vieler Menschen des 21. Jahrhunderts. \"Künstlich und leblos\" - das sind nette Worthülsen, können Sie Ihre Einschätzung bitte mal etwas ausführlicher und konkreter begründen?

\"lediglich die oberflächige Sehnsucht nach alten - scheinbar geordneteren Bildern der gebauten Umwelt befriedigt\"

Warum \"lediglich\"? Warum \"oberflächlich\"?

\"Keinesfalls kann in solchen Strukturen zeitgemäß gelebt, gehandelt, gearbeitet werden.\"

Ach, nicht? Dann frage ich mich doch wirklich, warum in den historischen italienischen Altstädten genau das zeitgemäße Realität ist - oder warum die Wohnungen am Neumarkt trotz hoher Mietpreise begehrt sind.

Es ist Nonsens, was Gast am 09.10.2011 | 19:45 schrieb. Der Wohnraum am Neumarkt ist begehrt und beliebt wie nie (SZ-Bericht vom 05.Sept.2011) und ich sehe dort auch genug Leute arbeiten. Dafür muss man einfach mal mit offenen Augen über den Platz schlendern.

Das mit dem Lustwandeln finde ich eine total spannende Metaphorik. Das bitte auch für den Neustädter Markt: Lustwandeln statt Betonfrust!

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bitte beachten Sie die Spielregeln! Vermeiden Sie bitte Angriffe auf Personen: Stellen Sie Ihre Argumente in den Vordergrund und verzichten Sie bitte auf Aussagen, die andere verletzen oder beleidigen könnten. Danke für Ihr Verständnis! Moderation Heinze

Warum soll man denn in einem rekonstruierten Gebäude wie dem Neustädter Rathaus nicht leben können? Gänge es den Bewohner denn schlechter als im dem Platz unwürdigem Plattenbau? Bitte begründen Sie Ihre Aussage. Für mich ist es Nonsens was Sie schreiben.

Das Modell des Wiederaufbaus des Stadtraumes um die Frauenkirche sollte keinesfalls für die Innere Neustadt zur Anwendung kommen, denn es ist ein künstliches bis lebloses, welches nichts mit den realen Lebenswelten der Menschen des 21. Jahrhunderts zu tun hat sondern lediglich die oberflächige Sehnsucht nach alten - scheinbar geordneteren Bildern der gebauten Umwelt befriedigt. Keinesfalls kann in solchen Strukturen zeitgemäß gelebt, gehandelt, gearbeitet werden. Alles ist Fassade und diffamiert uns zu Betrachtern einer vergangenen Welt.

Und was machen wir mit der Großen Meißner Straße? Das ist doch das Problem. Sicherlich braucht man das Neustädter Rathaus als \"Leuchtturm\" mit Goldenem Reiter, aber das wirklich störende ist doch der Verkehr. Nun könnte man vielleicht einen Tunnel bauen..., und hätte dann diese schöne große Platzanlage, könnte auch mehr Fläche bebauen.